{"id":132,"date":"2021-09-29T10:06:07","date_gmt":"2021-09-29T08:06:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=132"},"modified":"2021-10-04T18:30:32","modified_gmt":"2021-10-04T16:30:32","slug":"1588-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=132","title":{"rendered":"1588"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1588: Thoinot Arbeau<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass nicht unbedingt nur ein einzelner <em>fifre<\/em>, sondern dass ein oder zwei Instrumente zur Trommel spielen k\u00f6nnen, teilt uns 1588 Thoinot Arbeau mit: <em>Mais pourquoy est ce tambour accompagn\u00e9 d\u2019un ou deux flutteurs?<\/em><\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die Trommel bei Arbeau<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-center\" style=\"grid-template-columns:30% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"349\" height=\"344\" src=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/127a.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-228 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/127a.gif 349w, https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/127a-304x300.gif 304w\" sizes=\"auto, (max-width: 349px) 100vw, 349px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">Mit Thoinot Arbeau liegen uns die fr\u00fchesten Informationen \u00fcber auff\u00fchrungspraktische Fragen und \u00fcber Instrumentenmasse vor. So lesen wir auf fol. 7r, dass die in Frankreich (und wohl nicht nur dort) verwendete Trommel aus Holz gebaut ist und dass die Masse von Reifdurchmesser und Zargenh\u00f6he mit je etwa zweieinhalb Fuss (ca. 75 cm!) einander entsprechen. Auf beiden Seiten des Trommelk\u00f6rpers ist ein Pergament angebracht, das mittels Seil und Schleifen gespannt und mit zwei Schlegeln geschlagen wird, was viel L\u00e4rm verursache: <em>Le tambour duquel usent les fran\u00e7ois [ass\u00e9s cogneu par un chacun] est de bois cave long d&#8217;environ deux pleds &amp; demy, estoup\u00e9 d&#8217;un coust\u00e9 &amp; d&#8217;aultre de peaulx de parchemin, arrest\u00e9es avec deux cercles denviron deux pleds &amp; demy de dlametre, band\u00e9es avec cordeaux affin qu&#8217;elles soient plus roides; &amp; gaict [comme vous pouvez avoir ouy plusieurs fois] un grand bruit, quand lesdictes peaulx sont frapp\u00e9es avec deux battons que celluy qui les bat tient en ses mains<\/em>. Die Schnarrsaite erw\u00e4hnt er mit keinem Wort; wahrscheinlich ist daraus zu schliessen, dass \u00abseine\u00bb Trommel ohne Saite war, denn keine seiner Abbildungen von grossen, d.h. den \u00fcblichen Trommeln, die zum fifre gespielt werden,zeigen eine Schnarrsaite.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das Spannen des \u00abSeils\u00bb<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Schleifen, die Arbeau zum Spannen des Seils abbildet. Kaum eine Darstellung aus der Zeit zeigt die Befestigung der Schleifen und den Spannmechanismus so deutlich, der hier &#8211; im Unterschied zu den sp\u00e4teren, j\u00fcngeren Bildquellen &#8211; nicht mit einer, sondern mit zwei Reihen von Schleifen arbeitet:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image is-style-default\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"421\" height=\"79\" src=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/127b.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-229\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6glicherweise h\u00e4ngt dies auch mit der Instrumentengr\u00f6sse zusammen, indem dieses System f\u00fcr die grossen Kessel einfacher und wirksamer ist als jenes mit nur einer Schleife. Wohl um diese genau darstellen zu k\u00f6nnen, d\u00fcrfte die Anzahl Bahnen bei ihm wenig verbindlich sein; daf\u00fcr m\u00fcssen wir uns dem Spieler rechts zuwenden, dessen Trommel etwa 12 Bahnen aufweist. Auch hier &#8211; wie schon bei Virdung &#8211; ist das Seil um die Reife geschlungen, w\u00e4hrend es bei den beiden im Historischen Museum Basel erhaltenen Trommeln aus den Jahren 1571 (die \u00e4lteste datierte \u00fcberhaupt) und 1575 durch eiserne Haken gef\u00fchrt wird, die an den R\u00e4ndern der Reife eingeh\u00e4ngt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Trommel von 1571 weist einen Felldurchmesser von 50 cm und eine Zargenh\u00f6he von 55 cm auf, jene von 1575 einen nur um 1 cm gr\u00f6sseren Felldurchmesser, hingegen eine Zargenh\u00f6he von 64 cm. Leider wurde die \u00e4ltere im Laufe der Zeit \u00abgestutzt\u00bb (k\u00fcrzer gemacht), w\u00e4hrend die j\u00fcngere wohl in ihrer originalen Gr\u00f6sse erhalten ist. Wie von zahlreichen fr\u00fcheren Bildern bekannt, ist auch bei Arbeau hier die seitliche Spielhaltung zu beobachten. (Siehe Trommeln im Historischen Museum Basel).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Querpfeifer<\/h3>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-8f761849 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/128.gif\" alt=\"\" class=\"wp-image-230\" width=\"237\" height=\"391\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weiter unten beschreibt Arbeau den fifre als eine kleine Querpfeife mit sechs L\u00f6chern, die vor allem von den Deutschen und den Schweizern gespielt werde: Nous appellons le fifre une petite flutte traverse \u00e0 six trouz, de laquel!e usent les Al!emandz &amp; Suysses, &amp; d&#8217;aultant qu&#8217;el!e est percee bien estroictement\u2026 el!e rend un son agu\u2026 Wie ist nun die Bezeichnung petit flutte traverse zu verstehen? Nur allzuschnell w\u00e4re man hier bereit, auf einen Vorl\u00e4ufer des Piccolos zu schliessen, doch l\u00e4sst sich dies weder durch weitere Angaben Arbeaus noch durch erhaltene Instrumente hinreichend beweisen. Wohl am ehesten k\u00f6nnte es sich um das Diskantinstrument der Querpfeifenfamilie handeln, wie wir sie bei Agricola kennengelernt haben, das jedoch seine Bedeutung in Frankreich zu der Zeit bereits verloren hatte. Das Instrument klingt jedenfalls verh\u00e4ltnism\u00e4ssig hoch (agu = aigu): was nicht zwangsl\u00e4ufig auf ein kleines, hohes Instrument hinweist, sondern etwa auch auf das Spiel in hoher Lage auf einem tieferen Instrument, denn gerade diese wird durch die engere Bohrung beg\u00fcnstigt. Doch allein die Tatsache, dass er diese und die damit verbundene schlankere Erscheinungsform gegen\u00fcber den nicht zur Trommel gespielten Querfl\u00f6ten erw\u00e4hnt, deutet erstmals eine Losl\u00f6sung der spezifischen Milit\u00e4rpfeife von den in anderen Musizierbereichen verwendeten Querpfeifen an, die &#8211; viel klarer &#8211; im fr\u00fchen 17. Jahrhundert, bei Michael Praetorius, vollzogen zu sein scheint.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-accent-1-color has-text-color has-background wp-block-paragraph\" style=\"background-color:#eeeeee\"><a href=\"?page_id=115\">12. Jahrhundert: Herkunft aus dem Osten<\/a> \u2013 <a href=\"?page_id=121\">1511: Sebastian Virdung<\/a> \u2013 <a href=\"?page_id=124\">1528 und 1545: Martin Agricola <\/a>\u2013 <a href=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=127\" data-type=\"page\">1555: Clement Janequin <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=132\">1588: Thoinot Arbeau <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=134\">16. Jahrhundert: Milit\u00e4rfl\u00f6te <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=137\">1619\/20: Michael Praetorius <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=139\">1636: Marin Mersenne <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=141\">18. Jahrhundert: \u00c4nderung der Quellenlage <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=144\">18. Jh.: Piccolo im deutschen Raum <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=146\">Ende 19. Jh.: Piccolo an der Fasnacht <\/a>\u2013 <a href=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=148\" data-type=\"page\">Exkurs: Trommeln im Historischen Museum in Basel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1588: Thoinot Arbeau Dass nicht unbedingt nur ein einzelner fifre, sondern dass ein oder zwei Instrumente zur Trommel spielen k\u00f6nnen, teilt uns 1588 Thoinot Arbeau mit: Mais pourquoy est ce tambour accompagn\u00e9 d\u2019un ou deux flutteurs? 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