{"id":141,"date":"2021-09-29T10:20:38","date_gmt":"2021-09-29T08:20:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=141"},"modified":"2021-10-04T18:26:31","modified_gmt":"2021-10-04T16:26:31","slug":"1800-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=141","title":{"rendered":"1800"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">18. Jahrhundert: \u00c4nderung der Quellenlage<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\">Die bisherigen Quellen haben uns gezeigt, dass sowohl <em>fifre <\/em>oder Querpfeife als auch Trommel zwar einzeln beschrieben, aber doch immer in irgendeiner Weise aufeinander bezogen und gleichsam als zusammengeh\u00f6rig betrachtet werden. Dies \u00e4ndert sich im 18.Jahrhundert insofern, als die Trommel im musiktheoretischen Bereich nur noch sp\u00e4rlich auftaucht \u2013 eine Durchsicht der Milit\u00e4rliteratur erg\u00e4be vermutlich mehr Informationen \u2013 und f\u00fcr die Fl\u00f6te instrumentenspezifische Schulen und Anweisungen herangezogen werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Piccolo<\/h3>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\">Mit den baulichen Ver\u00e4nderungen, denen die Querfl\u00f6te seit der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts unterworfen wird und die zur barocken Querfl\u00f6te (<em>Flauto traverso<\/em>) mit konischer Bohrung, mehrteiliger R\u00f6hre und Klappen f\u00fcr weitere Griffl\u00f6cher f\u00fchren, ist die Trennung zum <em>fifre<\/em> bzw. zur Milit\u00e4rpfeife (Querpfeife) vollzogen, die ihre urspr\u00fcngliche Gestalt, eine zylindrisch gebohrte, einteilige und klappenlose R\u00f6hre, bewahrt. Erst 1772 \u2013 zun\u00e4chst nur f\u00fcr Frankreich geltend \u2013 wird davon berichtet, dass der <em>fifre <\/em>durch die bessere, reinere Oktavfl\u00f6te (= Piccolo) mit einer Klappe ersetzt w\u00fcrde: <em>Depuis quelque temps, dans les musiques des r\u00e9gimens on a substitu\u00e9 la petite fl\u00fbte au fifre, parce qu\u2019ayant une cl\u00e9, elle est moins sujette a \u00eatre fausse que le fifre qui n\u2019en a point<\/em>. <em>(Zitiert nach Encyclop\u00e9die m\u00e9thodique, Paris 1785, deren Teil \u00fcber die Musikinstrumente in einer Faksimile-Ausgabe zug\u00e4nglich ist: Art du faiseur d&#8217;instruments de musique et lutherie, Genf 1972, S. 101. Die Enzyklopedie \u00fcbernimmt hier fast w\u00f6rtlich Francoer (1772), vgl. dazu Meierott S. 105ff.)<\/em>  Dieser Zusatz fehlt noch in der <em>Encyclop\u00e9die <\/em>von Diderot-d\u2019Alembert; die Abl\u00f6sung d\u00fcrfte sich also erst etwa von den sp\u00e4ten 1760er-Jahren an angebahnt haben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"547\" height=\"53\" src=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/piccoloeinklappen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-344\"\/><figcaption>Piccolo von Felchlin \u00e0 Berne<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Piccolo bei Michel Corrette<\/h3>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\">In der Zwischenzeit muss also die Piccolo-Querfl\u00f6te, die eine Oktave \u00fcber der \u00abnormalen\u00bb steht, entstanden sein. Die fr\u00fcheste Quelle daf\u00fcr stammt aus Frankreich und ist 1735 in Paris erschienen: Michel Corrette, <em>M\u00e9thode pour apprendre ais\u00e9ment de la Fl\u00fbte Traversiere<\/em>; dort lesen wir: <em>On fait pr\u00e9sentement a Paris de petites Flutes Traversieres a l\u2019Octave qui font un effet charmant<\/em>. Dass dieses Datum auch durch andere Kriterien untermauert werden kann, hat Lenz Meierott ausf\u00fchrlich nachgewiesen. Auch der fifre fehlt bei Corrette nicht; und dazu heisst es, dass das Instrument vor allem von den Schweizern sehr gesch\u00e4tzt werde: <em>Les Suisses aiment beaucoup cet instrument<\/em>, doch erfahren wir leider nichts \u00fcber die Stimmlage des Instruments. Zur Frage der Stimmtonh\u00f6he finden sich widerspr\u00fcchliche Informationen. Einerseits k\u00f6nnen wir aufgrund der erhaltenen Instrumente (siehe dazu die Abbildung mit den beiden Milit\u00e4rpfeifen) und der Tatsache, dass die Pfeife durch das Piccolo ersetzt wird, mit einiger Sicherheit von der hohen Lage ausgehen; anderseits schreibt noch Johann Gottfried Walther in seinem <em>Musicalischen Lexicon <\/em>(Leipzig 1732), dass die \u2026 <em>Fistula minor Helvetica, die gemeine vor die Soldaten. ..6 L\u00f6cher [hat], und \u2026 vom d1 bis d\u201c\u2018 [gehet] <\/em>\u2026 Johann Joachim Quantz hingegen teilt 1752 folgendes mit: <em>In den alten Zeiten bestund die Fl\u00f6te traversiere nur aus einem St\u00fccke, wie die noch heut zu Tage \u00fcbliche Schweitzerpfeiffe, oder die sogenannte Querpfeiffe der Soldaten; nur war sie eine Octave tiefer als die letztere<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-accent-1-color has-text-color has-background\" style=\"background-color:#eeeeee\"><a href=\"?page_id=115\">12. Jahrhundert: Herkunft aus dem Osten<\/a> \u2013 <a href=\"?page_id=121\">1511: Sebastian Virdung<\/a> \u2013 <a href=\"?page_id=124\">1528 und 1545: Martin Agricola <\/a>\u2013 <a href=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=127\" data-type=\"page\">1555: Clement Janequin <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=132\">1588: Thoinot Arbeau <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=134\">16. Jahrhundert: Milit\u00e4rfl\u00f6te <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=137\">1619\/20: Michael Praetorius <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=139\">1636: Marin Mersenne <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=141\">18. Jahrhundert: \u00c4nderung der Quellenlage <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=144\">18. Jh.: Piccolo im deutschen Raum <\/a>\u2013 <a href=\"?page_id=146\">Ende 19. Jh.: Piccolo an der Fasnacht <\/a>\u2013 <a href=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=148\" data-type=\"page\">Exkurs: Trommeln im Historischen Museum in Basel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>18. 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