{"id":669,"date":"2021-10-07T11:37:03","date_gmt":"2021-10-07T09:37:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=669"},"modified":"2021-10-07T16:22:44","modified_gmt":"2021-10-07T14:22:44","slug":"duthaler","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/?page_id=669","title":{"rendered":"Duthaler"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Trommeln und Pfeifen in Basel<\/h1>\n\n\n\n<div style=\"height:45px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized is-style-default\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/wp-content\/uploads\/2021\/10\/duthaler_buch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-675\" width=\"239\" height=\"287\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-vertically-aligned-top is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p style=\"font-size:16px\">Ausschnitte aus dem Buch<br><strong>Trommeln und Pfeifen in Basel<\/strong><br>von Georg Duthaler<br>Christoph Merian Verlag Basel (Buch vergriffen)<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\">Es werden die Alten Schweizerm\u00e4rsche besprochen und einige einstimmige M\u00e4rsche aus dem 19. Jahrhundert im Anhang gezeigt.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kapitel VIII \u2013 worin endlich das Pfeifen an die Reihe kommt<\/h2>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\">Im Gegensatz zu den Basler Trommlern, von denen schon im 18. Jahrhundert einzelne erfassbar sind, tappen wir bei den Pfeifern bis in die neueste Zeit im Dunkeln. Gewiss, man kann lesen, auf Grund der Urkunden falle der Beginn unserer Stadtpfeiferei ins Jahr 1374.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Mittelalterliche Pfeifer sind keine fasn\u00e4chtlichen Piccolospieler<\/strong><br>Aber diese Pfeifer haben, was oft \u00fcbersehen worden ist, gar nichts zu tun mit denen, die wir gew\u00f6hnlich im seIben Atemzuge mit den Trommlern nennen. Die Stadtpfeifer waren gr\u00fcndlich ausgebildete Musiker, die, wie wir von den Bernern wissen, bei allen nur erdenklichen Gelegenheiten, auch im Kriege, auf Fl\u00f6te, Schwegel (Einhandfl\u00f6te), Krummhorn, Posaune und Feldtrompete oder Zink zu blasen hatten und ausserdem noch Musikunterricht erteilen mussten. In Basel bezogen sie zeitweise ein f\u00fcrstliches Gehalt. Das galt bestimmt nicht f\u00fcr die gew\u00f6hnlichen Spielleute, erst recht nicht f\u00fcr die Pfeifer, die oft eher als Nebenfiguren behandelt worden sind.<br><em>Des Pfeiffers Ampt ist<\/em><br><em>die Wachten neben dem Trommenschlager auff- und abzuf\u00fchren<\/em><br><em>sonsten hat er weiters nichts zu thun<\/em><br><em>dann allein auff die Compagnie<\/em><br><em>wann sie marchieren will<\/em><br><em>zu warten<\/em><br><em>und auffzupfeiffen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\">Als Tambouren fungierten manchmal Knaben, doch oft w\u00e4hlte man besonders robuste junge Leute. Die Pfeifer aber waren wahrscheinlich aus anderm Holz geschnitzt. So sagt die Schaffhauser Milit\u00e4r-Organisation von 1810 in \u00a7 11 deutlich: <em>Zu Pfeiffern werden keine andern jungen Leute angenommen, als solche, welche von kleiner Statur und zu schwach sind, das Gewehr zu tragen, oder aber ganz besondere Anlagen zu diesem Fach besizen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Bei den eidgen\u00f6ssischen Truppen<\/strong> verschwanden, im Gegensatz z. B. zu den holl\u00e4ndischen oder deutschen, die Pfeifer wohl schon in den 1830erjahren. Zwar stand auf dem Etat einer Infanteriekompanie neben zwei Tambouren ein Pfeifer, doch ist im betreffenden Reglement eine Fussnote \u00e4usserst verd\u00e4chtig. Sie lautet: Statt des Pfeiffers kann auch ein dritter Tambour gegeben werden.<br>Das wird oft der Fall gewesen sein und kann sich auch auf die Basler Fasnacht ausgewirkt haben, sonst h\u00e4tte Karl Rudolf Hagenbach (1801-1874) nicht in seinen Erinnerungen schreiben k\u00f6nnen, zu seiner Zeit seien die ins Trommeln kreischenden Querpfeifen noch nicht \u00fcblich gewesen. Auf bildlichen Darstellungen haben sich wirklich erst 1856, also relativ sp\u00e4t, Pfeifer finden lassen. Auch ist meines Wissens vor 1854 kein Inserat zum Kauf oder Verkauf eines Piccolos erschienen. Bestimmt waren die Pfeifer nie zahlreich, was auch aus einem Satz im Schweizerischen Idiotikon (W\u00f6rterbuch der schweizerdeutschen Sprache) hervorgeht. Dort heisst es, dass Platzmacher zu Ross oder zu Fuss den Fasnachtszug er\u00f6ffnen, den Kern aber die Trommler (hie und da mit Pfeifern) bilden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Der erste mir mit Namen bekannte Basler Pfeifer<\/strong> ist der durch seine \u00abLieder f\u00fcr jung und Alt\u00bb beliebte Waisenvater Johann Jakob Sch\u00e4ublin (1822-1901). Wir lesen in seinen Erinnerungen: An der n\u00e4chsten Messe kauften mir die Eltern an einem Stand ein Piccolo mit nur einer Klappe, wie sie die Pfeiffer zur Fastnachtszeit auch jetzt (1899\/1900!) noch ben\u00fctzen. Sch\u00e4ublin nahm daraufhin bei dem ihm empfohlenen Drechslermeister Kaufmann im badischen Weil Stunden.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Albert Fehr<\/strong><br>Erst im Programm des Monsters von 1910 stossen wir wieder auf die Namen von Pfeifern. Als neunte Nummer ist n\u00e4mlich ein Pfeifer-Trio C.R, A.F: und M.O. angezeigt. Das waren Carl Roth (1879-1958), Albert Fehr (1875-1931) und Max Oser (1856-1929). Ihnen ist damals f\u00fcr die dreistimmig gepfiffenen Alten zugejubelt worden. Wenn stimmt, was \u00ab-sch\u00bb oder \u00abnsch\u00bb, vermutlich Gustav Rensch, beim Tode Fehrs in den Basler Zeitungen geschrieben hat, so hat Fehr um die Jahrhundertwende den Pfeifern, die bisher nach dem Geh\u00f6r gelernt hatten, das Notenlesen beigebracht, die Pfeiferm\u00e4rsche mehrstimmig gesetzt und 1911 dem Fasnachts-Comite geholfen, sie herauszugeben. Dazu ist jedoch zu bemerken, dass die Alten, die am Z\u00fcrcher Sechsel\u00e4uten 1888 dreistimmig gepfiffen worden waren, bereits 1889 im dreistimmigen Satz vorlagen. (Wenige Jahre vorher hatten die Gebr\u00fcder Hug ein Heft mit den damaligen M\u00e4rschen im einstimmigen Satz von Ferdinand Boller herausgegeben.) In der Besprechung des Trommelkonzertes von 1910 betont Maehly, das Zusammenspiel von guten Trommeln und Piccolos sei so reizvoll, dass es an der Zeit w\u00e4re, statt neuer reiner Trommelm\u00e4rsche einen neuen Pfeifermarsch zu komponieren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Carl Roth<\/strong><br>Man k\u00f6nnte meinen, Carl Roth habe sich das zu Herzen genommen, denn in den folgenden Jahren und Jahrzehnten trugen zahlreiche M\u00e4rsche seinen Namen. Einige davon geh\u00f6ren zu den besten und beliebtesten Basler Pfeiferm\u00e4rschen. Daneben hat er sich auch als Instruktor, unter Anderem bei den Kadetten, verdient gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Paul L\u00e4chler<\/strong><br>Nicht vergessen werden darf Paul L\u00e4chler (1896-1962). Seine Bedeutung liegt vor allem darin, dass er ein \u00e4usserst strenger, darum auch gef\u00fcrchteter, erfolgreicher Lehrer und dominierender Pfeiferchef gewesen ist. Dabei war er nicht von Haus aus Pfeifer, denn als er 1916, nach der Rekrutenschule, in die Basler F\u00fcsilier-Kompanie II\/97 eingeteilt wurde, war er Tambour!<br>Was h\u00e4tte wohl Paul Maehly gesagt, wenn er es noch erlebt h\u00e4tte, wie heutzutage Jahr f\u00fcr Jahr einige neue Pfeiferm\u00e4rsche komponiert werden? Zwar sind die meisten davon nur Dreitagsfliegen. Trotzdem ist es bedauerlich, dass sie nirgends gesammelt sind. Die Verpflichtung der Basler Drucker, von jedem Erzeugnis ein Exemplar der Basler Universit\u00e4tsbibliothek abzugeben, scheint leider f\u00fcr diese Art Musikalien nicht zu gelten.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-size:16px\"><strong>Pfeifende Frauen<\/strong><br>Ein Wort noch zu den Frauen, die pfeifen. Auch hier hat die Emanzipation nach dem Ersten Weltkrieg eingesetzt. Es lernte n\u00e4mlich Helli Oppermann, die Freundin von Esther Abt, bei Paul L\u00e4chler pfeifen und blies 1921 und 1922 am Morgenstreich in der Barbara-Clique mit, doch will sie nichts davon wissen, die erste Pfeiferin zu sein; eine Frau Welti-Rumpf habe schon zehn Jahre vor ihr gepfiffen. (Es ist mir nicht gelungen, diese Aussage zu \u00fcberpr\u00fcfen, so wenig ich andere fr\u00fchere Pfeiferinnen aufzusp\u00fcren vermocht h\u00e4tte.) Heute gibt es wohl ann\u00e4hernd so viele Frauen wie M\u00e4nner, die pfeifen. das Piccolo ist eben doch der Frau eher angemessen als die schwere und eine gewisse Kraft erfordernde Trommel. Anspornend wirkt nat\u00fcrlich auch, dass an den j\u00e4hrlichen Preispfeifen schon mehrmals Frauen oben aus geschwungen haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trommeln und Pfeifen in Basel Ausschnitte aus dem BuchTrommeln und Pfeifen in Baselvon Georg DuthalerChristoph Merian Verlag Basel (Buch vergriffen) Es werden die Alten Schweizerm\u00e4rsche besprochen und einige einstimmige M\u00e4rsche aus dem 19. Jahrhundert im Anhang gezeigt. Kapitel VIII \u2013 worin endlich das Pfeifen an die Reihe kommt Im Gegensatz &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":660,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"class_list":["post-669","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=669"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/669\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":701,"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/669\/revisions\/701"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/660"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pfyffersyte.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}